Prof. Paul Lendvai

österreichischer Publizist und Moderator




1929
24. August: Geburt in Budapest, Einzelkind, der Vater ist Rechtsanwalt die Mutter stammt aus Siebenbürgen.
Schule, Studium an der juridischen Fakultät der Universität Budapest, Absolvierung der politischen Akademie

1945

leitender Funktionär der sozialistischen Mittelschüler und Studenten.

1947

Erste journalistische Tätigkeit bei einer sozialdemokratischen Abendzeitung („Kossuth Nép"), danach als jüngster Mitarbeiter zu „Szabad Nép" (Außenpolitik).

1949

Ressortchef bei der Nachrichtenagentur MTI (Magyar Távirati Iroda, wörtlich „Ungarisches Telegraphisches Büro").

1951

Lendvai wird zum Militär eingezogen.

1953

Verhaftung und achtmonatige Internierung wegen ‚politischer Unzuverlässigkeit’.
Danach Berufsverbot für drei Jahre.

1956

23. Oktober: Beginn des ungarischen Volksaufstandes gegen die kommunistische Regierung und die sowjetische Besatzungsmacht. Aus einer friedlichen Demonstration wurde, nachdem auf Regierungsbefehl in die Menge geschossen wurde, bewaffneter Kampf. Am 4. November verstärkten sowjetische Invasionstruppen die bestehenden Besatzungseinheiten. Am gleichen Tag wurde die pro-sowjetische Regierung unter János Kádár installiert. Der militärischen Übermacht der Sowjets hatten die Ungarn nur sehr wenig entgegenzusetzen. Es kam zu Schauprozessen, Verurteilungen und Hinrichtungen. 180.000 Ungarn verließen das Land - die meisten kamen nach und blieben in Österreich.

1957

Nach dem Ungarnaufstand war Lendvai leitender Redakteur (Außenpolitik) und Chefkommentator der Budapester Parteizeitung „Esti hirlap".
4. Februar: Paul Lendvai gelangt über Warschau und Prag nach Wien.

1959

erhält er die österreichische Staatsbürgerschaft.

1960

wird er Wiener Korrespondent der „Financial Times" und übt diese Tätigkeit bis 1982 aus. Außerdem schreibt er für österreichische, deutsche und schweizerische Zeitungen und Rundfunkanstalten.

1973

Gründung der Zeitschrift „Europäische Rundschau" (Vierteljahreszeitschrift für Politik, Wirtschaft und Zeitgeschichte) in Wien, der parteilose Paul Lendvai ist von Anfang an Chefredakteur und Mitherausgeber.

1980

Zuerkennung des Berufstitels „Professor" durch Bundespräsident Kirchschläger auf Vorschlag des Wissenschaftsministeriums.
Berufung zum Chefkonsulenten für Außenpolitik in den ORF.

1982

Chefredakteur der Osteuropa-Redaktion des ORF (bis 1987).

1987

Intendant von Radio Österreich International (bis 1998).
Leiter des „Europastudios", der monatlichen internationalen TV-Diskussionssendung des ORF.

1994

Bruno Kreisky-Preis für politische Literatur

1997

Donauland Sachbuchpreis

2001

Corvinus-Preis des Budapester Europainstitutes

2003

Kolumnist in der Tageszeitung „Der Standard".

2006

Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik

2008

Ehrenpreis des österr. Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln, sowie zahlreiche andere nationale und internationale Ehrungen und Auszeichnungen.

2012

Gründung des „Nischen Verlages" mit seiner Frau Zsóka Lendvai. Ziel des Unternehmens ist die Herausgabe von Werken der ungarischen Literatur in deutscher Übersetzung, („einer winzigen aber aufregenden Nische im deutschen Sprachraum").

2014

Bestellung zum Vorsitzenden des „Migrationsrates für Österreich" durch die Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.

Prof. Paul Lendvai war Gastprofessor an der Universität von Kalifornien und hielt im In- und Ausland zahlreiche Vorträge über die internationale Lage.
Er ist Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik und internationale Beziehungen sowie Mitglied mehrerer Arbeitsgruppen für Mittel- und Osteuropa der Bertelsmann-Stiftung.