45 Millionen für die Energieforschung

ASCR geht in die Verlängerung

45 Millionen für die Energieforschung – ASCR geht in die Verlängerung
v.l.n.r.: Michael Strebl, Geschäftsführer Wien Energie, Peter Weinelt, Generaldirektor-Stellvertreter Wiener Stadtwerke, Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke, Wolfgang Hesoun, Siemens Österreich-Generaldirektor und Thomas Maderbacher, Geschäftsführer Wiener Netze; Foto: PID/Houdek

• Wiener Forschungskooperation Aspern Smart City Research (ASCR) arbeitet bis 2023 weiter an der urbanen Energiezukunft
• Partner: Siemens, Wien Energie, Wiener Netze, Wirtschaftsagentur Wien und die Seestädter Entwicklungsgesellschaft Wien 3420
• Bisher elf Patente angemeldet und 60 Forschungsfragen zur Energiezukunft beantwortet


Die Forschungsgesellschaft „Aspern Smart City Research“ (ASCR) betreibt seit 2013 eines der innovativsten Energieeffizienz-Demonstrationsprojekte Europas. Nun haben die Eigentümer die Fortsetzung der Zusammenarbeit beschlossen. Bis 2023 steht der ASCR 2.0 ein Budgetvolumen von 45 Millionen für die weitere Forschungsarbeit zu Verfügung. Am 11. Jänner 2018 wurden die neuen Schwerpunkte der Forschungsarbeit erstmals präsentiert.

Im Rahmen der ASCR erforscht Siemens gemeinsam mit den Wiener Partnern die komplexen Zusammenhänge des künftigen Energiesystems. So sollen nicht nur einzelne Komponenten optimiert, sondern wirtschaftliche und skalierbare Gesamtlösungen geschaffen werden. Das schafft die Grundlage für künftiges Geschäft von Siemens, da der Markt für intelligente Stromnetze weltweit wächst und Analysten einen regelrechten Investitions-Boom erwarten.

Generaldirektor Wolfgang Hesoun von Siemens Österreich ist von diesem Joint Venture überzeugt: „Siemens ist es immer wieder gelungen, wesentliche Kompetenzen und Leuchtturmprojekte in Österreich anzusiedeln. Möglich ist dies nur aufgrund der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Stadt Wien und dem Interesse intensiv in Forschung und Entwicklung - einem wesentlichen Standortfaktor - zu investieren. Gemeinsam ist es uns mittlerweile gelungen Daten und Messwerte zu analysieren und so erste Erkenntnisse, die bereits in konkrete Projekte eingeflossen sind, zu gewinnen.“

Basis für marktreife Produkte
In der ersten Phase des Projekts, die noch bis Ende 2018 läuft, wurden rund 60 Forschungsfragen beantwortet. Zahlreiche Lösungen für intelligente Gebäude und für die Netzinfrastruktur sowie 15 prototypische Lösungen wurden entwickelt. Dabei handelt es sich beispielsweise um Applikationen, die den Netzzustand überwachen oder die Netztopologie automatisch erkennen, und um Lösungen wie das Building Energy Management System (BEMS), das den Energieverbrauch von Gebäuden optimiert. Zudem wurden einheitliche ICT (Information and Communications Technologies)-Konzepte erstellt und prototypisch umgesetzt. Diese unterstützen den Datenaustausch zwischen den einzelnen Bereichen beziehungsweise den Marktteilnehmern. 30 Erfindungsmeldungen, von denen elf als Patente angemeldet wurden, und drei öffentlich geförderte Projekte mit einem Gesamtvolumen von elf Millionen Euro vervollständigen die Erfolgsbilanz der ersten ASCR-Stufe – ASCR 1.0. Überdies besuchten Experten aus 17 unterschiedlichen Ländern das ASCR Demo Center.

Plug & Play für intelligente Stromnetze
Nun sind die Vorbereitungen für den nächsten Schritt – ASCR 2.0 – in vollem Gange: Die Feldtestumgebung dient weiterhin als Nukleus, um innovative Technologien zu erforschen, Erkenntnisse zu validieren und Prototypen zu erproben. Zusätzlich werden neue Gebäude als Testobjekte gesucht, neue Forschungsfragen definiert und bestehende Themen erweitert. „Wollte man Ende der 1980er-Jahre ein Computernetzwerk einrichten, waren umfangreiche Konfigurationsarbeiten für jeden einzelnen PC erforderlich. Eine Fernverbindung über ein Modem herzustellen erforderte das Know-how eines Spezialisten. Heute kauft man beliebige Netzwerkkomponenten, verbindet sie miteinander, und das Netzwerk läuft. Ähnlich sind unsere Erwartungen an ASCR 2.0“, erklärt Projektkoordinator Alexander Schenk von Siemens Energy Management und präzisiert das Ziel folgendermaßen: „Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass hochkomplexe Lösungen erforderlich sind, wenn man die Energiewende realisieren und künftige Markt- und Effizienzpotenziale nutzen will. Ausschlaggebend ist, dass diese Komplexität vom System weitestgehend selbst gemanagt und von den Benutzern ferngehalten wird. Die Komponenten im Gebäude- und Netzbereich müssen sich im Sinne von Plug & Play möglichst selbst konfigurieren und selbstständig an Änderungen anpassen.“

Chancen der urbanen Energiezukunft nutzen
Die Forschungsaktivitäten zielen darauf ab, die Betriebskosten für Gebäude und Netzinfrastruktur zu minimieren. Beispielsweise sollen Gebäudeoptimierungssysteme weiterentwickelt werden, wobei digitale Gebäudedaten in Form eines BIM (Building Information Model) eine wichtige Rolle spielen. Dadurch ist es möglich, den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu optimieren, von der Planung über die Errichtung bis zum laufenden Betrieb. Die Forschung im Bereich Smart Building soll vertieft werden, und auch die Digitalisierung des gesamten Energiesystems soll noch stärker in den Fokus rücken. Dazu gehören neben der Weiterentwicklung von IIoT (Industrielles Internet der Dinge)-Lösungen auch die sektorenübergreifende Energiesystemoptimierung und der Aufbau einer „Datendrehscheibe“, die Daten, Nutzer und spezifische Anwendungen miteinander verbindet. Siemens bietet mit MindSphere eine cloud-basierte IoT-Plattform für digitale Services auch in der Gebäudetechnik und für Stromnetze an. Das ASCR-Team will an neuen, datenbasierten Energiemarktmodellen arbeiten. Auch die Potenziale von Batteriespeichern sollen aus Sicht eines Netzbetreibers und eines Energiehändlers näher untersucht und prototypische Lösungen in die Feldtestumgebung eingebaut werden.

Ebenso wird das Thema E-Mobilität in ASCR 2.0 vertreten sein. Dabei geht es um Lösungen für eine verstärkte Integration von Ladeinfrastruktur in das Verteilernetz der Wiener Netze. Zudem werden Geschäftsmodelle im Bereich des bidirektionalen Betriebs von Fahrzeugbatterien untersucht. Dafür werden Batterien gesteuert geladen und entladen, um sie für einen flexiblen Stromhandel zu nutzen.



Ansprechpartner für Journalisten:


Siemens AG Österreich
Gerald Kastner Tel.: 43 51707 24037
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11.01.2018