U-Bahn Warschau: Auftrag für Siemens

35 Züge im Wert von 272 Mio. Euro aus der neuen Metro-Generation „Inspiro“


Wien, 02.02.2011

Die Warschauer U-Bahn GmbH (Metro Warszawskie Sp. z o.o.) hat ein Konsortium aus Siemens und dem polnischen Hersteller Newag mit der Lieferung von 35 sechsteiligen Metro-Zügen im Wert von 272 Mio. Euro beauftragt. Dies ist zugleich die erste Order für komplette Fahrzeuge aus der neuen Metro-Generation „Inspiro“, die kürzlich auf der weltgrößten Bahnmesse InnoTrans vorgestellt wurde. Die Züge, die für den Einsatz im Netz der Warschauer Metro vorgesehen sind, sollen ab Herbst 2012 geliefert werden. „Für Siemens als grünen Infrastruktur-Konzern ist das ein weiterer Erfolg im wachstumsstarken Markt für U-Bahnen. Der „Inspiro“ ist das Ergebnis unserer Anstrengungen der letzten Jahre, umweltschonende Lösungen für steigende Fahrgastzahlen zu entwickeln“, erklärt Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun.

Warschau verfügt über eine etwa 23 Kilometer lange Metrolinie mit 21 Stationen. Zurzeit befindet sich der zentrale Abschnitt der neuen Linie 2 im Bau. Die neuen Züge sollen auf beiden Linien zum Einsatz kommen. Mit den jetzt bestellten 35 Zügen passt die U-Bahn Warschau ihr Angebot den stetig wachsenden Passagierzahlen an. Allein von 1998 bis 2008 hat sich die Zahl der Fahrgäste pro Jahr auf gut 126 Millionen verdreifacht. Der Kunde plant, 15 Züge auf der bestehenden und 20 Züge auf der neuen Strecke einzusetzen. Für den weiteren Ausbau der L2 sieht eine Option den Abruf von weiteren 17 Zügen dieses Typs innerhalb der nächsten drei Jahre vor. 

Österreich: Bedeutender Teil der Wertschöpfung
„Der aktuelle Auftrag umfasst die Lieferung, die Inbetriebnahme, die Tests und die Zulassung der Fahrzeuge. Die ersten zehn Garnituren werden komplett im Siemens-Mobility-Werk Wien Simmering gefertigt“, betont Mobility-Chef Arnulf Wolfram. Die Endmontage der verbleibenden Fahrzeuge erfolgt im polnischen Nowy Sącz durch das lokale Partnerunternehmen Newag. Das bedeutet, dass ein überwiegender Teil der Wertschöpfung für  dieses Projekt in Österreich erbracht wird. Dieser Anteil umfasst die Rohbauten und die Drehgestelle, das Engineering und die komplette Montage und die Inbetriebsetzung der ersten 10 Züge. Dieser wichtige Teil der Fertigung findet in den Weltkompetenzzentren Wien Simmering und Graz Eggenberg statt.

Weltweites Wachstum des Metromarktes
Warschau steht stellvertretend für viele Städte in Osteuropa. Dort wird eine überdurchschnittliche Entwicklung des Metromarktes prognostiziert, da die bestehenden Flotten vor einer Modernisierung stehen. Für den weltweiten Metromarkt sieht der europäische Bahnindustrieverband Unife bis 2016 ein Wachstum von 4 Prozent pro Jahr bei einem Volumen von derzeit rund 5 Mrd. Euro für Fahrzeuge und weiteren gut 2 Mrd. Euro für Bahninfrastruktur. Das Wachstum wird vor allem durch die Bevölkerungszunahme in den Großstädten getrieben.

„Inspiro“: Die neue Metro-Plattform mit 95 Prozent Wiederverwertungsquote
Die Metro von Siemens, die unter dem Namen „Inspiro“ vermarktet wird, erzielt durch konsequenten Einsatz von Leichtbautechnologie sowie durch moderne Antriebstechnik eine deutliche Absenkung des Energieverbrauchs. Bei der Wahl des Materials – sowohl des Wagenkastens als auch des Interieurs – hat Siemens großen Wert auf Wiederverwertbarkeit gelegt. Die Recycling-Quote beträgt über 95 Prozent. Die neue Metro-Generation ist Teil des Siemens-Umweltportfolios, mit dem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von rund 28 Mrd. Euro erzielte. Das macht Siemens zum weltweit größten Anbieter von umweltfreundlicher Technologie. Kunden haben mit entsprechenden Produkten und Lösungen des Unternehmens im selben Zeitraum 270 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart, das ist so viel wie Hongkong, London, New York, Tokio, Delhi und Singapur in Summe an CO2 jährlich ausstoßen.

Größere Intervalle bei der Wartung
Nicht nur beim Umweltschutz, auch in punkto Betriebskosten ist die neue Fahrzeuggeneration führend. Die erhebliche Ausdehnung der Wartungsintervalle führt sowohl zu niedrigeren Wartungskosten als auch zu einer höheren Verfügbarkeit der Fahrzeuge  – mit der gleichen Anzahl von Fahrzeugen kann eine höhere Beförderungsleistung erbracht werden. Die flexible Anordnung der Sitzplätze sowie der optionale Einsatz von Fahrerassistenzsystemen und des fahrerlosen Betriebes gewährleisten für den Betreiber ein Höchstmaß an Beförderungskapazität. Die Züge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Das modulare Einzelwagenkonzept kann beliebige Konfigurationen mit variablem Motorisierungsgrad von einem zwei- bis zu einem achtteiligen Zug realisieren. Die Fahrgastwechselzeiten werden durch maximale Türbreiten und Beladungserkennungssysteme stark reduziert. Die Konstruktion des Innenraums ist auf maximalem Komfort ausgelegt, da dort u. a. völlig auf Geräteschränke verzichten werden konnte.

Die neuen Fahrzeuge werden auch das Erscheinungsbild der Stadt Warschau nachhaltig verändern. Das in Kooperation mit DesignworksUSA, einer Tochterfirma der BMW Group, konzipierte Fahrzeugdesign setzt neue Maßstäbe. Dank der Kombination des futuristischen Fahrzeugkopfes mit einer graphischen Gestaltung der Seitenwände symbolisiert der „Inspiro“ die Zukunftsorientierung des modernen Warschau. Das offene und helle Interieur unterstreicht den modernen Chic und die Attraktivität der Metro. Zusammen mit der durchgängigen Begehbarkeit des Zuges trägt das Innendesign in erheblichem Maße auch zur subjektiven Sicherheit der Fahrgäste bei.

Wien: Internationales World-Headquarter für Metros und Reisezugwagen
Der Standort Wien von Siemens ist internationales World-Headquarter für Metros und Reisezugwagen und damit ein wichtiger Eckpfeiler der Mobility Divison des Industry Sectors. Hier ist das Know-how der gesamten Logistik- und Prozesskette von Forschung, Entwicklung, Engineering, Fertigung, Endmontage bis zu Inbetriebsetzung vereint. Mit neuesten Fertigungstechnologien, wie zum Beispiel Schweiß-Robotern, werden in Wien Fahrzeuge aus rostfreiem Stahl oder in Aluminium-Großprofilbauweise produziert. In der fast 14.000 m² großen Endmontagehalle werden Fahrzeuge an sieben Modulen gleichzeitig montiert. Bis zu 500 Fahrzeuge verlassen die Fabrik jedes Jahr. Die Entwicklungs- und Fertigungstradition reicht mehr als 150 Jahre bis in Zeiten der "k&k-Waggonfabrik" zurück. 

Graz: Das Welt-Kompetenz-Zentrum für Fahrwerke von Siemens
Siemens-Mobility in Graz ist als Entwickler und Produzent von High-Tech-Fahrwerken ein wichtiger Partner der weltweiten Schienenfahrzeug-Industrie. Das Werk in Graz ist der Fahrwerk-Produzent mit dem weltweit höchsten Automatisierungsgrad. Beispielsweise werden dank der sogenannten "Fließfertigung" mit Hilfe modernster Robotertechnik jährlich 1500 km Schweißnähte erzeugt. Siemens gehört zu den größten Schienenfahrzeug-Herstellern der Welt. Für die Entwicklung und Produktion der Fahrwerke ist die Siemens AG Österreich, Industry Sector, Mobility Division in Graz (World Competence Centers Bogies) verantwortlich.


Veronika Gasser  

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